Weiterführendes
Bild: "Boy's Ba 2008"
Foto: Jon Thomson

Lizenz:Creative Commons
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Ba' Games

Es ist der 25. Dezember und überall auf der Welt treffen
festlich gestimmte Menschen zusammen, um im Kreise
ihrer Liebsten das Weihnachtsfest zu genießen.

Im kleinen Ort Kirkwall auf den schottischen Orkney-
Inseln treffen Menschen wortwörtlich zusammen: Sie
schubsen, treten und stoßen einander – und das gleich
zu Hunderten.

Grund dafür ist ein Sport namens „Ba' Game“, bei dem
zwei riesige Mannschaften versuchen, einander einen
schweren Lederball mit Füllung – den Ba' – abzunehmen und ins gegnerische Tor zu
befördern. Unter vollstem Körpereinsatz versteht sich, gelegentliche Verletzungen
inklusive. Die beiden Tore befinden sich jeweils an einem Ende des Dorfes und sind
eigentlich gar keine Tore, sondern eine Wand in dem einen und ein Hafenbecken in
dem anderen Fall. Gespielt wird mitten im Dorf, auf Dächern, in Gärten, über Zäune.
Und vorbei ist das Ganze erst, wenn der Ba' in einem der beiden Tore landet – auch
wenn das bedeutet, dass schon mal mehrere Stunden gekämpft wird. Der Rekord von
1975 ist noch immer ungebrochen und liegt bei sieben Stunden. Ein Spiel kann aber
auch sehr schnell vorbei sein – wie 1952, als der Ba' „versehentlich“ schon nach vier
Minuten im Tor landete.

Trikots gibt es für die Spieler nicht, Freund und Feind muss jeder selbst unterscheiden
können. Als Gedächtnisstütze dient eine sehr wichtige Tatsache: Die Mannschaften
sind immer gleich. Jahr für Jahr spielen die „Up-the-Gates“ gegen die „Down-the-Gates“
- oder kürzer: die „Uppies“ gegen die „Doonies“.

Massenfußball hat in Schottland eine jahrhundertealte Tradition. Der Legende nach
spielten schon die Kelten ein Spiel mit Totenköpfen als Bälle...

In Kirkwall entwickelte sich die heutige Form der Ba' Games zu Beginn des 19. Jahr-
hunderts. In den 1860er Jahren bezeichnete die regionale Zeitung das Spiel jedenfalls
schon als alt. In den Jahren 1945 und 1946 fanden auch exklusive Womens Ba' statt,
aber sie stießen nicht auf allzu großes Interesse.

Die Obrigkeit in den Ba' Games


Die Ba' Games waren schon immer Spiele des Volkes. Was nicht heißt, dass Lokal-
politiker, Gemeinderäte und die anderen „oberen Zehntausend“ sich davor verschließen
würden – die meisten von ihnen sind selbst eingefleischte Anhänger einer Mannschaft,
bestenfalls sogar selbst Spieler.

Vor den Spielen weist die Gemeinde in der Lokalzeitung darauf hin, dass Teilnehmer
keine fremden Grundstücke betreten, Zuschauer nicht auf Dächer und Mauern klettern
und Haus- und Ladenbesitzer ihre Fassaden verbarrikadieren sollten.



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