Weiterführendes
Bild: "Boy's Ba 2008"
Foto: Jon Thomson

Lizenz:Creative Commons
Die Originaldatei ist hier zu finden


Die Ba' Games als Touri-Attraktion?!


In Kirkwall dabei zu sein, scheint wirklich Spaß zu
machen. So sehr, dass ein bekannter schottischer
Reiseführer vor ein paar Jahren die weihnachtlichen
und neujahrstägigen Ba' Games auf eine Liste der
Dinge setzte, die man auf keinen Fall verpassen sollte.
Worüber sich die meisten kleinen Gemeinden wohl
freuen würden – kostenlose Werbung, die Touristen
anlockt –, hat im Falle der Ba' Games auch eine
unschöne Kehrseite. Im April 2004 schrieb die britische
„Mail on Sunday“, die vielen Touristen wären eine Bedrohung für die Ba' Games. Die
Bewohner Kirkwalls würden befürchten, dass durch haufenweise verletzte Touris eine
Welle von Schadensersatz-Forderungen und Versicherungsleistungen auf sie zu-
kommen würde. Eigentlich ist jeder für sich und sein Grundstück selbst verantwortlich
und die Teilnahme passiert sowieso auf eigene Gefahr – aber rechtlich gesehen hätten
die Fremden Recht. Außerdem zitiert die „Mail on Sunday“ Leute, für die viel mehr
Fremde auch viel mehr Chaos bedeutet. Man wolle lieber in Ruhe gelassen werden
und jeder, der Kirkwall als empfehlenswerte Attraktion bekannt mache, gehöre
erschossen.

Das Spiel


Die Regeln sind denkbar einfach zu merken, da es kaum welche gibt. Konstante Vor-
gaben sind: Das Spiel beginnt immer an der gleichen Stelle (der Kirche im Stadtkern)
und endet immer in einem der beiden Tore. Das Tor der Uppies ist momentan eine
Wand (meistens wird der Gewinner von seinen Mannschaftskameraden auf die Schul-
ter genommen als Signal dafür, dass das Spiel vorbei ist – man kann das schließlich
sonst nicht so leicht erkennen) und das Tor der Doonies bildet der Hafen (was heißt,
dass es in der Schlussphase gelegentlich nass werden kann, denn das Spiel gilt erst als
beendet, wenn der Ba' im Wasser gelandet ist). Dazwischen liegt der Ortskern. Welcher
Weg genommen wird, entscheidet ganz spontan die Bewegung der Masse. Gespielt
wird mit einem handgefertigten Lederball, der vom Marktkreuz vor der Kirche aus in die
Menge geworfen wird. Angenommen und bewegt wird er mit den Händen, was die
ganze Sache eher an Rugby als an Fußball erinnern lässt. Die Mannschaft setzt sich
stets gleich zusammen: Wer nördlich der Kirche lebt, ist ein Uppie. Alle südlich von ihr
gehören zu den Doonies. Diese Zugehörigkeit kann man sich nicht etwa aussuchen –
sie ist Geburtssache! Wer im Doonie-Gebiet geboren wurde, ist ein Doonie und bleibt
das auch, ob er will oder nicht. Gleiches gilt übrigens auch für Besucher: wer oberhalb
der Trennlinie ankommt, fristet sein Dasein automatisch als Uppie.



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