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Bild: "VM-final i bandy på Zinken
2006"
Foto: Henrik Larsson

Lizenz:Creative Commons
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Bandy

Bandy gilt als der Vorläufer des heutigen Eishockeys.
Betrieben wird der Sport vor allem in Nord- und Ost-
europa, weil es nur da kalt genug für Open-Air-Eis-
flächen wird, die eine ganze Saison überstehen. In
Schweden ist Bandy sogar die drittgrößte Mannschafts-
sportart – ein Volkssport also, den in Deutschland kaum
einer kennt?

Die Entstehungsgeschichte des Bandy reicht bis ins
Mittelalter, denn schon im 13. Jahrhundert taucht zum
ersten Mal der Name Bandia für ein Ballspiel mit Schlä-
gern auf dem Eis auf. Das moderne Bandy hat seine Ursprünge im Shinny, einem
unreglementierten Hockey, das im 19. Jahrhundert in England auf gefrorenen Seen
gespielt wurde. Tatsächlich bezeichnet der Name „Eishockey“ ursprünglich das, was
heute Bandy genannt wird. Das erste bekannte offizielle Spiel wurde 1875 im Crystal
Palace in London angestoßen. Durch die Reisefreudigkeit der Engländer verbreitete
sich der Sport schnell auf der ganzen Welt und so wurde 1901 in Berlin der erste
deutsche Bandy-Verein gegründet. Als Spielfeld musste damals noch der zugefrorene
Spree-Damm herhalten. Während Bandy zu Beginn allgemein hin noch ein Sport der
Oberschicht war, änderte sich die Mode zu Beginn der 1930er Jahre. In der ehemali-
gen Sowjetunion wurde Bandy wohlwollend als ein Sport der Arbeiter gesehen und in
Norwegen war das Spiel sogar so beliebt, dass während der deutschen Besatzung
heimlich nationale Meisterschaften ausgetragen wurden.

In Kanada entwickelte sich zeitgleich aus dem Bandy- das Eishockeyspiel. Ein Puck
ersetzte den bis dahin üblichen Ball und sowohl Spielfeld als auch Anzahl der Spieler
verkleinerten sich. Dadurch konnte jetzt auch witterungsunabhängig in Hallen gespielt
werden. Das kam natürlich all jenen Ländern entgegen, in denen es keine stabilen
Wetterverhältnisse mit andauernder Kälte gab. Viele Bandy-Clubs wechselten daher
Anfang des 20. Jahrhunderts ins Eishockey-Lager und der Bandy-Sport verschwand in
etlichen Ländern der Welt von der Bildfläche. Einzig in Schweden, Norwegen, Russland
und Finnland überlebte Bandy. Von diesen vier Staaten wurde 1955 der internationale
Bandy-Verband gegründet. Jahrelang spielten sie den Weltmeistertitel nur unter sich
aus, bevor die Faszination Ende des 20. Jahrhunderts auch in Nordamerika, Osteuropa
und den Niederlanden wieder entflammte.

Die Regeln des Bandy ähneln mehr denen des Fußballs und Feldhockeys, als den
Eishockeyregeln. Eine Mannschaft besteht aus elf Spielern, es gibt zwei Halbzeiten a 45
Minuten, große Tore, kein Spiel hinter dem Tor, Abseits und Eckbälle. Die eisige Spiel-
fläche hat die Größe eines Fußballfeldes, also 90 bis 110 Meter lang und 45 bis 65
Meter breit und liegt meist unter freiem Himmel. Die Tore sind 3,50 Meter breit und 2,10
Meter hoch. Der halbkreisförmige Strafraum hat einen Radius von 17 Metern. Der Straf-
stoßpunkt liegt zwölf Meter vor dem Tor.


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