Weiterführendes
Bild: "Eissegeln"
Foto: Markus Moriggl

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Eissegeln

Segeln ist doch was für Spießer – Denkste! Während sich unsereins in der kalten Jahreszeit in die wohltemperierten vier Wände zurückzieht, flitzt eine Horde Adrenalinjunkies mit auf drei Kufen gestellten Holzbötchen und Geschwindigkeiten jenseits der 100 km/h über zugefrorene Seen. Bremsen? Fehlanzeige! Willkommen in der Formel Eis.

Eissegler gehen ab wie eine Rakete. Während der
gemeine Segler im Höchstfall mit 15 Knoten
(1 Knoten = 1, 852 km/h) durchs Wasser kuttert,
knacken Eissegler locker die 100km/h-Marke. Der Speedweltrekord, aufgestellt von
John D. Buckstaff im Jahr 1938, liegt sogar bei unglaublichen 229 km/h. Das liegt vor
allem an der Windkraft, die beim Eissegeln fast ohne Verlust in Geschwindigkeit

umgesetzt werden kann. Das belastet nicht nur das Material, sondern auch den Körper.
Um den vibrierenden Schlitten bei derart hohem Tempo in Liegeposition wie beim
Bobfahren im Zaum zu halten, bedarf es nicht nur Nerven aus Drahtseilen, sondern vor
allem Fitness.

Geschichte


Eissegeln kann auf eine jahrhundertlange Tradition zurückblicken, deren Ursprung uns
zu unseren holländischen Nachbarn führt. Bereits im 16. Jahrhundert montierten
holländische Fischer Kufen unter ihre Boote, um auch in der kalten Jahreszeit ihrem
Beruf nachzukommen. Das Eissegeln war geboren. Die Entstehung des Eissegelns
lässt sich jedoch nicht nur in nur Europa verorten, denn auch in anderen Teilen der
Welt, wie z. B. in der Mongolei nutze man Kufenkonstruktionen für den Fischfang.
Durch Holländische Emigranten entwickelte sich das Eissegeln auch in den USA,
insbesondere in Detroit. In Europa bildeten sich weitere Schwerpunkte in den baltischen
Ländern, dem kurischen Haff (Teil der Ostsee, das zu Litauen und Russland gehört)
sowie in Teilen des heutigen Mecklenburg-Vorpommerns. So gab es Mitte des

19. Jahrhunderts über 200 Eissegler alleine in den Saaler Bodden.
Doch von einer sportlichen Regatta war man noch weit entfernt, denn durch regional
unterschiedliche Konstruktionen der Eissegler gestaltete sich ein sportliches Aufeinan-
dertreffen schwierig. Anders in den Vereinigten Staaten. Dort erlebte das sportliche
Eissegeln einen regelrechten Boom. 1865 entstand am Hudson River der erste Eisse-
gelclub der Welt. Da es aber noch keine einheitliche Bootsklasse gab, schrieb die
„Detroit News“ im Jahr 1930 einen Konstrukteurswettbewerb aus. Die so genannte DN
(Detroit News)- Klasse erblickte das Licht der Welt und ist bis heute die Einheitsklasse
für internationale Wettkämpfe. Seitdem sind Gewicht, Länge und Breite der Eissegel-
boote vorgeschrieben. Heutzutage gibt es weltweit ca. 1500 aktive Eissegler in der DN-
Klasse. Man kennt sich, man schätzt sich – und das weltweit. Die Segler kommen zum
Großteil von Übersee (USA, Kanada), aus Russland, Schweden, Finnland, Polen und
Deutschland. Gerade in Russland erfreut sich das Eissegeln in jüngster Vergangenheit
größerer Beliebtheit, in Leistungszentren lernen ca. 60 Nachwuchssegler
den richtigen Umgang mit den Eisflitzern.

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