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Bild: "turnerschwinger during a fight"
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Weiterführendes

- Eidgenössischer Schwinger-
  verband

Schwingen

Die Schweiz ist ja für viele Dinge bekannt:
Faszinierende Berglandschaften, herzhafter Käse,
bewundernswerte Neutralität, urige Alphörner, das
praktische Schweizer Taschenmesser und der sym-
pathische Roger Federer sind nur einige davon.
„Schwingen“ hingegen ist außerhalb der Landesgren-
zen ein weniger prominentes Schweizer Gut. Und da-
bei nimmt man in der Alpenrepublik seinen „National-
sport“ überaus ernst. Verfolgte man beispielsweise
die Fußball-EM 2008 (die Schweiz war mit Österreich
Austragungsland) im Schweizer Fernsehen, konnte es
passieren, dass während der Sportberichterstattung in den Nachrichten stämmige
Männer zu sehen waren, die sich auf einem Sägemehlfeld ringend duellierten.


Geschichte

Ringkämpfe gibt es schon seit Anbeginn der Zeit in den unterschiedlichsten Versionen auf der ganzen Welt. Auch das Schwingen reicht bis „ins entfernteste Dunkel der Urzeit zurück“, so Pfarrer J. Stalder 1798, damals Präsident der Helvetischen Gesellschaft. Die ersten Überlieferungen sind in Volkssagen zu finden – erste Bilddokumente stam-
men aus dem 13. Jahrhundert. Auf ihnen kann die typische Ausgangshaltung eines Kampfes erkannt werden: Die Kontrahenten stehen sich gegenüber und haben die Hosen des Gegners fest im Griff. Über die Jahrhunderte durchlief der Schwingsport durchwachsene Popularitätsstufen, war zeitweise sogar von der Obrigkeit als „unnütz und leichtfertig“ gebrandmarkt und unter Strafandrohung verboten. Als Anfang des 19. Jahrhunderts Sport langsam zu einem Massenphänomen unter der Bevölkerung Eu-
ropas wurde und auch die Schweiz Sportarten wie das Jahnsche Turnen oder Fußball „importierte“, wuchs die Angst, dass die eigenen Sitten und Gebräuche verblassen und darunter auch die Heimatliebe leiden könnte. So gründete sich 1895 der Eidgenös-
sische Schwingerverband. Seitdem findet etwa alle drei Jahre das Eidgenössische

Schwing- und Älplerfest statt, auf dem der Schwingerkönig gekürt wird.
„Wie es in der Geschichte der Völker Zeiten gibt, deren Aufgabe es ist, das von den Vorfahren Erkämpfte und Gewonnene getreulich festzuhalten und ungeschmälert in die Zukunft hinüber zu retten, so hat auch der Eidgenössische Schwingerverband die Pflicht zu schirmen und rein zu halten, was uns als herrliches Erbteil geworden: Das prächtige Nationalspiel des Schwingens!“

Entwicklung

Bis in die 1980er Jahre hinein, wird die Bezeichnung Sport oder sogar Spitzensport beim Schwingen abgelehnt. Ernst Schläpfer war der erste Schwinger, der als Spitzen-
sportler im herkömmlichen Sinne galt. Zuvor wurde das zielgerichtete Denken und Handeln von ehrgeizigen Sportlern als so unpassend für einen Schwinger empfunden, wie „ein Businessplan und ein Börsengang“ für einen Bauern. Schläpfer revolutionierte ab 1979 das Schwingen in dem er Ernährungspläne, Trainingslehren und -methoden in sein Leben integrierte. Heute Normalität, damals mehr als ungewöhnlich.

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