Weiterführendes
Bild: "Tamburello"
Foto: David Sobiella

www.tamburello.com
www.TamburelloDresden.de
Tamburello auf youtube.com

„Sein Daumen war nur noch halb so hoch“

Herr Ertel, Sie haben Tamburello in Deutschland eingeführt. Wie sind Sie auf diesen Sport aufmerksam geworden?

Dirk Ertel: Zunächst einmal bin ich nicht auf den Sport, sondern auf das Gerät aufmerksam geworden, und zwar am Strand von Sizilien Mitte der 1980er Jahre. Freunde dort vor Ort hatten das Gerät mit an den Strand genommen und mit mir gespielt und ich fand es sofort super. Dann vergingen einige Sommer, in denen ich immer wieder meine Freunde dort besuchte und auchimmer wieder mit diesen „geilen“ Teilen spielte. Inzwischen war ich Student an
der Deutschen Sporthochschule und es stand auch irgendwann eine Diplomarbeit an.
Da sagte ich zu meiner Freundin und heutigen Frau: „Hey, jetzt nehmen wir uns doch
endlich mal ein paar dieser Schläger mit nach Hause, ist doch auch ein schönes und
witziges Geschenk für Freunde.

Und außerdem kümmere ich mich mal um die Hintergründe zu diesem Gerät“ - was ich
dann auch tat, und zwar zunächst bei dem Sportgeschäft, wo ich die Schläger gekauft
hatte. Jedoch konnte mir der Verkäufer auch nichts Weiteres über die Herkunft sagen
und so beauftragte ich einen meiner Freunde dort unten, mir doch mal ein paar Infos zu
besorgen. Er tat dann den italienischen Verband auf und die Ursprungsvariante dieses
Spiels, die nichts mit dem ‚Freizeit-Hin-und-Her’ am Strand zu tun hatte, sondern ein
richtiger Mannschaftssport war, der in Norditalien noch in einigen Dörfern - teilweise
semiprofessionell - betrieben wurde. Ich versuchte dann, mich im Internet weiter hierüber
zu informieren – Fehlanzeige. Danach bekam ich einen Kontakt zu einem Sportlehrer in
Neuss, der dieses Spiel aus Südfrankreich kannte und es an seinem Gymnasium in
Form einer AG etabliert hatte. Die Jungs aus dieser AG hatten auf Initiative dieses
Sportlehrers sogar an der Meisterschaftsrunde in Nordfrankreich teilgenommen. Über
diesen Sportlehrer bekam ich dann Kontakt zu dem damaligen Vizepräsidenten des ita-
lienischen und internationalen Tamburello-Verbandes, Dr. Rissone, zu dem sich bis zum
heutigen Tage eine enge Freundschaft entwickelte. Über ihn wurde ich Hauptansprech-
partner für den internationalen Verband für die Entwicklung des Tamburellosports in
Deutschland.

Was zeichnet diesen Sport aus? Was ist das Besondere?

Ertel: Dieser Sport wird, wie auch sein Name, geprägt von dem Spielgerät und seinen
Eigenschaften. Durch die kreisrunde Form des TAMs lässt sich das feine Nylongeflecht
mit sehr hohen Kilogrammzahlen bespannen. So ist ein TAM an die hundertmal stärker
bespannt als ein Tennisschläger, bis zu drei Tonnen. Dadurch kommt es zu dem enor-
men Trampolin- bzw. Katapulteffekt, je schwerer der Ball wird. Diese ungeheure Power
spürt man ganz unmittelbar dadurch, dass im Gegensatz zu herkömmlichen Schlägern
kein Stil (Schaft) vorhanden ist. Hierdurch kommt es zu einem unmittelbaren Kontakt der
Hand bzw. dem Daumen mit dem Rahmen bzw. mit der Bespannung. Somit ist für die ver-
schiedenen Spielformen vor allem erst einmal sehr viel Gefühl und Timing gefragt. Je
mehr man das Gerät beherrschen lernt, umso mehr eigene Dynamik kommt dann noch
hinzu. Außerdem hat jede Spielform zudem ihren eigenen Reiz:

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